
Immer wieder Istanbul von Rosi
und Peter Warsinski
Immer wieder IstanbulHerbst
1996 – es hatte Probleme gegeben, einen gemeinsamen Urlaubstermin zu bekommen,
und nun standen wir vor der Frage: Wohin im November? Badeurlaub an fernen Gestaden, in
Touristenzentren, wo uns die Menschen des Landes mehr oder weniger als lustige Kasperles
begegnen würden, das mobile Ghetto einer organisierten Rundreise kamen nicht in Frage.
Wir suchten ein Land, das uns viele neue Eindrücke versprach, in dem Reisen auf eigene
Faust möglichst unproblematisch sein sollte und in dem wir erwarten konnten, mit unseren
Sprachkenntnissen: Deutsch, Englisch, etwas Französisch einigermaßen zurechtzukommen.
Die Türkei kam bald in die engere Wahl und nach dem
Studium diverser Reiseführer und anderer Literatur über Land und Leute fiel die
Entscheidung: versuchen wir’s mal.
Die Reiseroute war bald festgelegt. Eine knappe Woche
wollten wir in Istanbul verbringen, danach jeweils einige Tage in Bursa, Efes, Pamukkale,
Fethiye und Antalya, von wo wir auch zurückfliegen wollten. Bei Buchung der Flüge ergab
sich, daß wir mitten in der Nacht in Istanbul landen würden, also bestellten wir auch
noch ein Hotel für die ersten Tage und den Transfer dorthin.
Der Reisebeginn verlief wenig vielversprechend: Morgennebel
in Istanbul hatte zu Verspätungen geführt, die bis zum späten Abend nicht hatten
aufgeholt werden können, das Hotel in Sultanahmet war angeblich überbucht, folglich
wurden wir gegen vier Uhr morgens vor einem Ersatzhotel abgesetzt. Kaum eingeschlafen,
schreckte uns der Ruf des Muezzins von der offenbar sehr nahen Moschee wieder aus dem
Bett. Eine Enttäuschung auch der erste Blick aus dem Zimmerfenster. Graue Häuser in
fragwürdigem Erhaltungszustand, auf den Dächern Fernsehantennen und bunte Wäsche.
Wäsche auch an über die schmalen Straßen gespannten Leinen. Das zweitürmige Gebäude
weiter hinten ist offenkundig eine Kirche und noch weiter ist an diesem grauen
Novembermorgen mit einiger Mühe das ebenfalls bleigraue Marmarameer auszumachen.
Na gut, wenigstens das Hotel ist ok. Das Zimmer ist sauber
und gut eingerichtet, das türkische Frühstück schmeckt, das Personal ist freundlich.
Wir werden es schon sechs Tage hier aushalten.
Ein Blick auf den Stadtplan klärt uns darüber auf, daß
Kumkapi, der Stadtteil in dem sich unser Hotel Tayhan befindet, ein Teil der Altstadt ist
und die Wege zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, wie Sultan Ahmet Camii, Topkapi
Sarail, Hagia Sofia, Basar nur kurz sind. Na wenigstens etwas.
Unser erster Eindruck von Kumkapi bestätigt sich beim
Verlassen des Hotels: Alles grau und auf den ersten Blick wenig anziehend. Es herrscht
Morgenverkehr, auf der Strasse folgt Auto auf Auto, Menschen hasten zur Arbeit. Viele
kleine Geschäfte, Lokantasi und Kebap Salonus, keine Touristen; eigentlich genau das, was
wir erhofft hatten. Die Pannen der vergangenen Nacht, der erste etwas traurige Eindruck,
waren schon vergessen. Die Voraussetzungen für einen Urlaub entsprechend unseren
Vorstellungen waren eigentlich gegeben und es würde nur an uns liegen, was wir daraus
machten.
Und was wir daraus machten. Unser erster Türkei-Urlaub
übertraf alle unsere Erwartungen und schon im März 1997 starteten wir nach einigen Tagen
Istanbul, wieder im Hotel Tayhan, zu unserer zweiten Tour. Die Türkei hatte uns in ihren
Bann gezogen. Überall begegneten wir freundlichen und aufgeschlossenen Menschen,
Freundschaften sind entstanden, die brieflich, per e-mail oder telefonisch gepflegt
werden.
Im März 1998 stand der dritte Türkei-Urlaub an. Die Zeit
vorher war etwas stressig gewesen, wir hatten keine rechte Lust, wieder mit
Überlandbussen auf Tour zu gehen, uns immer wieder um neue Quartiere zu bemühen. War
Istanbul nicht eine riesige und faszinierende Stadt, die es wert sein müsste, einmal drei
Wochen dort zu verbringen? Sich Zeit nehmen zu können, auch andere Viertel der Stadt
kennenzulernen, mit Muße vor dem Sark Cafe sitzend, das Treiben im Basar zu verfolgen?
Öfter mal einen Tag mit einem Besuch im Hamam abzuschliessen? Gedacht, getan, mit dem
Ergebnis, daß wir noch mehr Freunde dazugewonnen hatten, und voller Pläne und Ideen für
mehrere weitere Urlaube ausschließlich in Istanbul nach Berlin zurückkehrten.
Am 16. Oktober sind wir nun von unserem sechsten
Türkei-Urlaub zurückgekehrt. Im Hotel Tayhan gehören wir inzwischen zur Familie. Vier
Mal waren wir ausschließlich - von Tagesausflügen abgesehen - in Istanbul und werden das
sicher, trotz aller anderen ins Auge gefassten türkischen Urlaubsziele, noch oft tun.
Urlaub ohne Streß in einer der faszinierendsten Städte der Welt. Jedes Mal Neues sehen
und bekannte Lieblingsplätze wieder aufsuchen, bummeln, Essen in den bekannten
Fischrestaurants von Kumkapi oder in irgendeinem unscheinbaren Lokanta, eine Stunde in
einem Teegarten hinter der Beyazit Camii, am Hippodrom oder imGülhane Park hoch über
Goldenem Horn und Bosporus, Freunde wiedersehen und neue Bekanntschaften schliessen,
getreu dem Motto von Aysen’s Home Page. Ja, das ist unsere Welt, das macht uns
glücklich und davon zehren wir bis zum nächsten Urlaub in Istanbul.
Rosi und Peter Warsinski
Peter.warsinski@gmx.de
P.S. Wir bitten für das Verwenden der alten Deutschen
Rechtschreibung, sowie das Ignorieren der Türkischen Schriftzeichen um Nachsicht.
Empfehlungen, z.B. betr. Hotel, Antworten auf Fragen
jederzeit.
R.+P.
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Aysen Doymaz
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Revised : 1.11.1999