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Ein paar kleine Ausschnitte aus meinem Leben....... von Tuna

Früher, als ich noch klein war, als mich jemand fragte: "Woher kommst Du?" sagte ich immer "Aus der Türkei".
Für mich war das was ganz normales aus der Türkei zu kommen. Aber anscheinend nicht für die, die mich fragten. Weil meistens folgte auf meine Antwort eine erstauntes Gesicht oder ein mitleidiges Kopfschütteln.Als ich Älter wurde änderte sich dieses.
Diesmal war die Frage:"Sie kommen doch nicht gebürtig aus Deutschland, oder? Sie sind doch bestimmt Südländerin!"
Begeistert darüber, das man nicht erstaunt feststellte, daß ich aus dem Süden kam nickte ich und sagte: "Ich bin Türkin!" und strahlte dabei über das ganze Gesicht.
Mein strahlendes Gesicht verschwand mit der Bemerkung des Anderen: "Wie bitte? Sie kommen aus der Türkei? Sie sehen aber gar nicht so aus!Wo ist denn Ihr Kopftuch?!" ....wieder eine Hoffnung im Keller.
Es geht hier nicht um die Frage, ob ich Aussehe wie eine Türkin oder nicht (Da sind sich sogar die Menschen nicht einig, die mich schon Jahre kennen), hier geht es um die Frage: Woher weiß ein Anderer wie eine Türkin aussieht?
Dann stelle ich mir die Frage: Wie sieht denn eine Türkin aus?
Stelle ich mich vor den Spiegel so sehe ich mich und ich bin eine Türkin. (Auch wenn es einige Menschen nicht glauben!)Schon seit meiner Kindheit, kämpfe ich gegen die Vorurteile, Verallgemeinerungen, Respektlosigkeit und Untoleranz.
Sätze wie:" Verschleppen Dich Deine Eltern auch in Türkei, damit Du heiratest!" oder "Bist Du auch schon seit Deiner Geburt an einen fremden Mann versprochen!" und "Mußt Du wenn Du in die Türkei fliegst auch ein Kopftuch tragen oder einen Schleier?!" brachten mich meistens an den Rand des Wahnsinns.
Wenn ich versuchte es einigen Menschen ruhig zu erklären wie ich lebe, hörten sie mir nicht zu und wenn ich explodierte und wutschnaubend ihnen die Worte an den Kopf knallte hieß es: "Siehste, das ist Dein türkisches Temperament!"Was ich auch sagte oder tat, es wurde meistens erfolgreich umgedreht und am Ende kam immer dasselbe heraus.
Gott sei Dank, gab und gibt es auch Menschen, die normal denken und nicht mit Sätzen durch die Gegend werfen, wovon sie sowieso keine Ahnung haben. Das nennt man auch oberflächlichkeit.Aber mit der Zeit entdeckte ich, daß diese Vorurteile nicht nur auf einer Seite existierten sondern auch auf der anderen Seite. Noch erschreckender war es für mich festzustellen, daß ich, bemüht um jede Art von Feindlichkeit zwischen beiden Kulturen abzubauen, mich vor lauter Verteidigung und Beschwichtigung und Erklärung, in mitten von Vorwürfen und bösen Aussagen, mich im Kreis drehte.
Es gibt überall auf dieser Welt gute und böse Menschen. Ich müßte lügen, wenn ich sage würde, alle Türken und Deutschen sind lieb und nett. Leider gibt es auch einpaar Ausnahmen, nicht nur in den beiden Kulturen sondern auf der ganzen Welt. Daher habe ich einige Szenen aus meinem Leben mal aufgegriffen, die mich
besonders geärgert haben. Aber, ich bin froh darüber, daß diese Szenen kein Alltag in meinem Leben wären, ansonsten hätte ich die Hoffnung an die Menschlichkeit in uns bereits aufgeben.
 Aber trotzdem ärgert es mich sehr, wenn ich mit meiner Mutter einkaufen gehe (sie trägt kein Kopftuch) und ihr sieht man nun mehr an, daß sie aus dem Süden kommt, sich die Verkäuferinnen und Verkäufer an ihre Fersen heften (der Laden war gerammelt voll) und selbst bei vollem Betrieb, meine Mutter nicht aus den Augen lassen und dann auch noch meinen, in ihre Tasche schauen zu können.Auch ärgert es mich, wenn ich an einer Kasse stehe, vor mir ist eine Familie mit Kopftuch und Schleier und die Kassiererin sagt als ich drankomme sagt:"Schauen Sie sich dieses Pack an. Wie kann man bloß so rumlaufen, sind bestimmt Türken!" und ich nur noch antworte :" Meinen Sie etwa, Sie sähen besser aus? Schauen Sie doch mal in den Spiegel!"
Das ist passiert als ich 19 war und allmählich gelernt hatte mich gegen diese Bemerkungen zu wehren.
Es ist auch nicht mein Stil mit Kopftuch rumzulaufen aber was geht mich die Kleidung anderer Menschen an.
 Wenn ihr jetzt denkt, ich würde nur Beispiele bringen die gegen die türkischen Menschen gerichtet sind, dann irrt Ihr Euch gewaltig. Ich mußte mich auch mehrfach mit Vorurteilen auseinandersetzen die von türkischen Menschen gemacht werden.
Ich wurde als eingedeutscht bezeichnet und als Ungläubige, weil ich meistens mit deutschen Menschen etwas unternahm und mit diesen auch ausging.An ein Beispiel erinnere ich mich sehr genau, als ich versuchte türkischen Menschen erklären, daß ich deutsche Menschen als Freunde hab die mir bei vielen Dingen geholfen haben und mich unterstützt haben.
Daraufhin wurde die Aussage gemacht: "Unter den Deutschen kann ich mir das gar nicht vorstellen!Die sind doch total egoistisch, kalt und arrogant und Rassissten Mußtest Du denen kein Geld geben, damit sie Dir helfen?Also, mit deutschen Menschen möchten wir nichs zu tun haben, die wollen uns doch gar nicht!"Die dümmste Bemerkung die ich gehört hatte, war von einem Mädchen die sagte: "Ich wollte ursprünglich Deutsch lernen und hatte noch Spanisch und Italienisch zur Auswahl. Aber Deutsch wollte ich nicht, weil die Deutschen so doof sind!" Dies wurde von einer türkischen Studentin in der Türkei gesagt, sie studierte an einer bekanntesten und besten Unis in der Türkei BWL.Wie man sieht habe ich auf beiden Seiten die schwarzen Schafe erlebt, die sich strikt weigerten einen Schritt weiter zu denken und sich etwas respektvoller zu betrachten.
Ich beobachte schaudernd immer wieder, wie Menschen auf Menschen anderer Kulturen reagieren. Ich kann nur den Kopfschütteln und immer wieder nur traurig meine Meinung äußern. Ich weiß nicht, was in diesen Menschen vorgeht, daß sie sich beschimpfen, erniedrigen, schlagen sogar Kriege führen und aus Freunden plötzlich Feinde werden.
Ich suche immer noch nach der Antwort und immer wieder ertappe ich mich, wie ich einmal die türkischen Menschen über die deutschen Menschen aufkläre und versuche Vorurteile ab zubauen und wie ich deutschen Menschen über die türkischen Menschen aufkläre und auch hier versuche Vorurteile abzubauen.
Aber muß es erst soweit kommen?
 Ich kann nicht Leugnen, daß es auch türkische Sitten gibt, die aus tradtionellen Grunde noch durchgeführt werden, die selbst für mich Menschenunwürdig erscheinen.Genauso wenig kann ich es leugnen, daß es diese auch unter den deutschen Menschen gibt. Aber ich respektiere diese Menschen und versuche sie nicht zwanghaft zu ändern, solange sie keinem anderen Menschen schaden.
Was mich einfach nur traurig macht und wogegen ich immer kämpfen werde ist, daß es ganz normale türkische und deutsche Menschen gibt, die einfach in einen Topf der Vorurteile und Verallgemeinerungen gesteckt werden und nach einem typischen Nationalitätsklischee abgestempelt werden, obwohl sie gar nicht darein passen. Aber ich lasse mich nicht einfach abstempeln und mich in einen Topf stecken oder in eine Schublade schieben.
Vor langer Zeit habe ich einen unbewußten Kampf begonnen für mehr Menschlichkeit, Respekt und Toleranz. Die Bedeutung liegt auf dem Wort unbewußt, denn seitdem ich mich erinnern kann, wurde ich von Mitmenschen (dabei meine ich nicht meine Freunde) für den Mist meiner deutschen oder türkischen Mitmenschen angeklagt und mußte immer wieder die Unschuldigen verteidigen, die nichts mit irgendwelchen Greueltaten zu tun hatten. Dabei spielte es keine Rolle, ob ich meine deutschen Mitmenschen oder türkischen Mitmenschen verteidigen mußte.
Heute führe ich den Kampf bewußt weiter, bewußt in dem Sinne, daß ich gezielt gegen Vorurteile, Verurteilungen und Respektlosigkeit vorgehe und das auf beiden Seiten meines Daseins.Ein Mensch sucht sich seinen eigenen Werdegang aus und sein eigenes Lebensziel. Solange es niemanden anderen schadet muß dieser Mensch respektiert werden. Weil dieser Mensch lebt und einer von uns allen ist, der einfach nur seinemWeg geht, auf dem er glücklich ist.Ich betone, daß ich Fanatikern, Mördern, Rassisten und anderen die etwas machen, was anderen Menschen schadet, nicht den geringsten Respekt erweise und diese auch nicht Toleriere.Hoffe nun, daß ich Euch ein wenig nachdenklich gemacht habe. Was mich betrifft , so bin ich meistens nachdenklich und kämpfe weiter gegen Vorurteile, Respektlosigkeit und Untoleranz.

Bis bald
Tuna
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Aysen Doymaz
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Revised : 15.11.1999