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Das Jahr 2000 vor 78 Jahren *

Pressburger Zeitung, 12/03/1922

Aufgestöbert und restauriert von Miroslav Sedivy
Korrigiert und ins Deutsche übertragen von Simon Schoar 
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Im Jahre 2000
Fortschritte, die man voraussehen kann. 
In 78 Jahren wird man das Jahr 2000 schreiben. Da die Statistik besagt, dass von sieben Neugeborenen einer hoffen kann, bis zu 78 Jahren zu leben, so gibt es in den Staedten und Doerfern der ganzen Welt junge Menschlein, die dieses Datum sehen werden, das fuer die Erwachsenen von heute von mystischem Glanz umgeben ist. 

Wie wird das Jahr 2000 sein? fragt Paul Louis Hervier im "Figaro". Das Jahr 1000 war durch eine Weltpanik gekennzeichnet. Das Jahr 2000 wird nur die Apotheose des Fortschritts kennen. 

In 78 Jahren werden die Wunder unserer Epoche Kinderspielzeuge scheinen. Unsere Luftschifffahrt, unsere Unterseeboote, die noch zu Zeiten Jules Vernes Traeume und Utopien waren, werden sicherlich Verbesserungen erfahren haben, die aus ihnen bequeme Verkehrsmittel fuer alle Welt machen, insofern nicht noch einfachere Mittel erfunden wuerden. Im Jahre 2000 werden unsere wunderbaren Lokomotiven, die uns heute als maechtige Monstren erscheinen, ebenso unmodern sein, wie die alte Postkutsche unserer Ahnen. Die Zuege werden nun mehr elektrisch gefuehrt werden. Die Machinen aller Fabriken werden durch Elektrizitaet betrieben werden, man wird alle Wasserfaelle der Erde eingefangen haben, vielleicht auch die Kraft des Windes, zweifellos die von Ebbe und Flut, man wird vielleicht die Moeglichkeit haben, der Luft die Elekrizitaet zu entnehmen, die sich in ihr befindet. 

Ein Gelehrter sieht voraus, dass man in absehbarer Zukunft Moebel aus einem von Nickel herstammenden Metall - dem "Nickelum" - verfertigen wird, und dieses Metall wird so leicht sein, dass man einen Kasten so bequem verschieben wird koennen, wie heute einen Stuhl, und so wenig kostspielig, dass solche Moebel jedem zuganglich sein werden, so reinlich, dass auch die Hygiene dabei in vollstem Masse, mehr als bisher, beruecksichtigt werden wird. In den Wohnungen wird alles elektrisch sein, die Kueche, der Kochapparat, das Waschen des Geschirrs, und die menschliche Handleisung wird auf ein Minimum reduziert sein. Eine Dienstbotenkrise wird es nicht gehen. 

Ein amerikanischer Verleger sieht eine grosse Verbesserung in der Ausstattung der Buecher voraus. Nach ihm wird man Blaetter aus Nickel fabrizieren, die so leicht und duenn sein werden, dass ein einziger Band 30.000 Seiten enthalten wird, die biegsamer, aber auch wiederstandsfaehiger sein werden als die Papierseiten. Ein anderer amerikanischer Fabrikant ist ueberzeugt, dass ein Anzug von einer Machine, die aufs Genaueste durch Elektrizitaet dirigiert wird, zugeschnitten, genaeht und mit Knoepfen versehen werden wird. 

Nach der Statistik wird, wenn die Zunahme der Bevoelkerung in der grossen Staedte in demselben Prozentsatz erfolgt wie bisher, im Jahre 2000 London vierzehn Millionen Einwohner haben und Paris neun Millionen. Die Strassen werden mit "Nickelum" gepflastert sein, da dieses Metall haerter, dauerhafter sein und den Strassenlaerm daempfen wird als Kautschuk. Die Luft der grossen Staedte wird besser sein, der Rauch der Fabriken existiert nicht mehr. Man wird mittels unterirdischer rollbarer Trottoirs oder gar Waegelchen, die in pneumatischen Roehren fortbewegt werden, seine Besorgungen machen. Die Kohle, wird ihren grossen Wert verloren haben. Man wird sich hauptsaechlich von synthetischen Produkten ernaehren. Ein englischer Gelehrter meint, dass man vom Boden nicht bloss Gemuese und Fruechte, nicht bloss fette Weiden und fruchtbare Felder, sondern auch eine unerschoepfliche Quelle von Waerme und Energie haben wird. Es wuerde genuegen, meint er, einen Schacht von einigen Kilometern zu graben, um darin die fuer alle Industrien notwendige Waerme zu finden. Das Wasser wuerde in dieser Tiefe einen solche Temperatur haben, dass man damit alle Maschinen der Welt betrieben koennte. 

Aber das sind nur die Fortschritte, die wir voraussehen koennen! Wie viel wird sich auf Gebieten zeigen, um die man sich heute gar nicht kuemmert! 

*(Mit der freundlichen Genehmigung der TFG Medien)

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Aysen Doymaz
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Revised : 19.01.2000