Russischer Öltanker brach im Bosporus auseinander 
30.12.99 - Die Welt


Istanbul -
Nach dem Auseinanderbrechen eines russischen Öltankers vor der türkischen Metropole Istanbul droht im Bosporus eine Ölpest. Aus dem russischen Verkehrsministerium in Moskau verlautete, aus der "Wolganeft 248" seien 800 Tonnen Treibstoff ausgelaufen. Die türkischen Behörden nahmen dazu nicht Stellung. Das Schiff hatte ihren Angaben zufolge 4334 Tonnen Treibstoff geladen. In rauer See bargen Rettungsmannschaften am Mittwoch den größten Teil der Besatzung des Öltankers. Die sechs Männer, die zunächst an Bord blieben, befanden sich nach offiziellen Angaben nicht in Gefahr.AP

 

Während das Marmarameer noch schwärzer wird....

 Nehmen wir den ‘’Sturm’’ , seine Stärke und die von ihm verursachten Schäden als Naturkatastrophe hin. Beschuldigen wir nicht die Meteorologen, die nicht voraussagen konnten, daß der Sturm ein altes Schiff hierher verschleppt  und mitten entzwei bricht. Sehen wir auch von Regierungen ab, die jedem Öltransport, egal wie verantwortungslos er einem Ort mit so bedeutsamen historischen Gebäuden wie dem Bosporus gegenüber sein mag, untätig zuschauen. Und vergessen wir auch mal das Umweltschutzministerium, das sich in diesem Fall nicht für die Naturschutzwerte einsetzte, und vergessen wir die Regierung in Istanbul, die keinen Notplan vorbereit hat für solche Tankerunfälle, die wir sehr oft erlebt haben und wahrscheinlich noch weiter erleben werden. Und noch die Russische Reederei und den Russischen Kapitän, die das Schiff im Dezember auf hohe See und in fünf Meter hohe Wellen schickten, obwohl es nur für Fahrten von März bis November und nur in maximal  2,5 Meter hohe Wellen zugelassen war.

Aber: Was sucht ein laut internationalem Standard als ‘’Fluss’’ Schiff ausgewiesener Tanker im Bosporus von Istanbul??

Auch wenn wir alle anderen Fragen vernachlässigen wollen, denke ich, daß es auf diese letzte Frage sicher keine ernstgemeinte Antwort geben kann.

Ich lebe in Istanbul, und den Angaben der Experten  zufolge muss ich diese Verschmutzung noch 30-40 Jahre erdulden. Aber nicht nur wir Menschen. Das Schiff namens Wolganeft hatte am 29. Dezember 1999, als es vom Südwestwind zerrissen wurde, 4.300 Tonnen Öl geladen. An jenem Abend flossen gleich 900 Tonnen Öl ins Meer. Die ersten Spuren der Vergiftung sahen wir an den Vögeln, die gestorben sind oder sich zum Sterben am Strand sammelten. Es dürfte auch nicht überraschen, wenn wir die Ergebnisse dieser Vergiftung am Ende der Nahrungskette bei den Menschen ankommen sehen.

Die Teilnehmer an den Säuberungsarbeiten sagten nach sechs Tagen, daß es 75 Tage dauern wird, bis die 7 km lange Florya Küste gesäubert sein wird. Diese Säuberung wird aber nur einen Teil des Aussehens verbessern. Das Türkische Meeres Forschungs Center (TÜBAV) sagte, daß diese Gegend erst nach 40 Jahren ihren alten Zustand wieder zurückerhalten wird.

Die Bilder von Atatürk, auf denen er an der berühmten Menekse Küste Schwimmen ging,  bestätigen das TÜBAV.

Der Name Wolga errinnert mich an einen anderen Meeresunfall 1995. Ein Lastschiff namens Wolga Don 5064 wurde am 5.11.1995 vom Südwestwind im Hafeneingang vom Anker gerissen und brach mitten entzwei. Die Schiffe, die für den Wolga Fluss gebaut wurden, sind eben nicht geeignet für das Marmarameer, auch dann nicht, wenn sie im Hafen vor Anker liegen.

Sogar der Name von Wolganeft 248 duftet schon nach Petrol. Denn 248 bedeutet, daß davon mindestens 248 Stück gebaut wurden. Der letzte ist schon weg. Bleiben immer noch 247 übrig!

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Revised: 11.02.2000
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