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Traditionen von tausendjähriger
Geschichte: ''Ceyiz''; (Aussteuer)
Im Laufe der Geschichte haben sich die Grundregeln in den verschiedenen
Zivilisationen bezüglich Verlobung und Heirat kaum geändert. Obwohl sich die
Partnerschaft überall auf Liebe gründen sollte, werden auf den Austausch von
Eigentum und Sachgütern unterschiedliches Augenmerk gelegt. Während die
griechischen Brautväter's dem Braeutigam ''drohoma'' geben, prüfen die
japanischen Mütter das ''yuinou'', also die Heiratsgüter-Liste, die beim
Heiratsantrag übergeben wird, mit großer Aufmerksamkeit.
Und die Türken fangen gleich nach der Geburt ihrer Töchter an, eine grosse,
Aussteuer-Kasten genannte Kiste mit wertvollen Haekelspitzen zu füllen. Das
Sprichwort ''Maedchen in der Wiege, Ceyiz (Aussteuer) in der Kiste''; erklaert
dies auch.
Die gleiche Tradition gibt es auch bei den Mongolen. Die Türken haben diese
Tradition als ein Erbe der Mittel-Asiatischen Kultur übernommen. Spaeter
wandelte sich der Inhalt der Aussteuer etwas unter dem islamischen Einfluß. In
der anatolischen Bevölkerung ist Ceyiz der allgemeine Name des Eigentums des Mädchens,
das diese in das Haus ihres zukünftigen Mannes mitnehmen wird.
Wenn ein Maedchen zur Welt kommt, wird eine grosse spezielle Ceyiz Kiste
gekauft, die mit der Zeit von meisterhaften Haenden gehaekelten Tüchern,
Zierspitzen, Haekelspitzen, Teppichen und Garnituren gefüllt wird. Ab und zu
wird die Sachen gewaschen und belüftet. Im Osmanischen Reich wurde, falls
das Maedchen eine Sultans-Tochter war, das ganze Ceyiz, also das Eigetum des
Maedchens, mit einer ganz grossen Ceyiz Band (Musikgruppe) zum Haus des Bräutigams
getragen. Heute gibt es natürlich weder Sultans-Töchter, noch die Ceyiz-Band.
Aber statt dessen wird auch heute noch das ganze Ceyiz (Aussteuer,
Eigentum der Braut) , bevor sie heiratet mit aller Pracht für alle Bekannten öffentlich
ausgestellt. In Anatolien werden, wenn auch lokal unterschiedlich, bis zum
vorletzten Tag der Heirat ca. 1 oder 2 Wochen lang all die wertvollen
Handarbeiten ausgestellt. Auch das verlangt geschickte Hände, diese
Ausstellungen werden von ''askici''; genannten Frauen vorbereitet und durchgeführt.
Wie es zum einen sehr wichtig ist, aus den ganzen Sachen geschickt eine
Ausstellung zu organisieren, so ist es zum anderen sehr wichtig, die
Kostbarkeiten vor neidischen Augen zu schützen. Dafür werden getrocknete
Nelken und Schwarzkümmel in die Sachen gestreut, dies ist auch die Aufgabe der
Frau, die die Ausstellung organisiert. Da man glaubt, dass ein Taschentuch die
Trennung bringt, kommt in die Ceyiz-Kiste niemals ein Taschentuch hinein.
Nachdem man in Ost-Anatolien viel Würfelzucker zum Tee nimmt, kommt als erstes
eine Zuckerschere in die Ceyiz-Kiste. Mit dieser speziellen Schere kann man Würfelzucker
schneiden.
Die Ceyiz-Ausstellung ist für die Braut eine sehr aufregende Zeit. Denn damit
zeigt sie auch ihren Geschmack und den Wert ihres Eigentums. Die anderen
Maedchen besuchen mit großem Interresse solche Ausstellungen, wo sie für ihr
eigenes ''Ceyiz''; originelle Motive und Ideen heraussuchen. Der
interresanteste Teil ist das Bräutigam-Bündel, hier zeigt sich die Liebe der
Braut zum Braeutigam am deutlichsten. Die von der Braut mit eigener Hand
gestickten Sachen (diese werden vom Braeutigam erwartet) werden bei dieser
Ausstellung mit grosser Aufmerksamkeit begutachtet. Nach der Ausstellung wird
gemeinsam von beiden Seiten (Braut-Braeutigam) eine Liste erstellt, die den
ganzen Inhalt der Aussteuer aufzeigt. Falls die Ehe mit einer Scheidung enden
sollte, hat die Frau das Recht, all ihr ''Ceyiz''; zurück zu bekommen.
Heute steht der Ceyiz Kasten laengst vergesssen im Schrank. Aber als ein Begriff
für die Aussteuer ist er bis heute gültig. Es gibt auch nicht mehr silbernen
Kerzenhalter, die von Hand gemalten und mit Gold verzierten Kaffee-Tassen, wie
man sie im 19.Jahrhundert sehen konnte. Stattdessen gibt es heute Küchengeschirr
und Elektrogeräte neben den Haekelarbeiten, dem wertvollen Porzellan, Silber-
und Kristallsachen. Und zuletzt kommen noch die ganzen Schlafzimmer-Möbel dazu,
auch diese werden ausgestellt, wenn der Rest der Wohnung schon anderweitig
eingerichtet ist.
