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Was in keinem Istanbul-Reiseführer steht, von Luisa Umlauf
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Was in keinem Istanbul-Reiseführer steht, man aber unbedingt wissen sollte

1. Noch nicht richtig beim Counter zum Einscheck nach Istanbul in Berlin-Tegel angekommen, werden wir von einer großen Türken-Familie angesprochen: Sie hätten zu viel Gepäck, und es würde uns doch bestimmt nichts ausmachen, eine Tasche von ihnen als unser Gepäck mit aufzugeben...

Merke: Fremde Gepäckstücke im Flugzeug als die eigenen zu deklarieren, ist aus guten Gründen verboten und kann bei entsprechendem Inhalt eine Menge Ärger bedeuten – für den, der deklariert.

2. Bei fremdem Geld ist der Betrag nicht so leicht zu erkennen, wie bei vertrautem. Insbesondere der Unterschied zwischen 10.000.000 Lira und 1.000.000 Lira kann in der Eile schon mal übersehen werden. Der Taxifahrer oder Händler reklamiert dann, er hätte nur 1.000.000 erhalten, müsse aber noch soundso viel bekommen. Kaum möglich, das Gegenteil zu beweisen – und wem im Ernstfall?

Merke: Vor dem Ausgehen immer das Geld in 1.000.000 – Lira-Scheinen einwechseln und am besten gar keine 10-Millionenscheine dabeihaben.

3. Um die Sehenswürdigkeiten herum warten Scharen von selbsternannten Führern auf Touristen. Sie unterbreiten unabweisbare Gründe, warum gerade jetzt gerade die Sehenswürdigkeit, die man ins Auge gefaßt hatte, nicht besichtigt werden kann, und führen zu einer anderen, die man in der Zwischenzeit besichtigen soll. Auf dem Weg dorthin vergessen sie das Ziel und bieten Tee an in Onkels Teppichladen...

Merke: Diese „Führer“ sind ein harmloser Folklore-Spaß. Man bekommt guten Tee in Onkels Teppichladen und lernt was über Teppiche. Es wird kein nennenswerter Kaufdruck ausgeübt.

4. Das Sightseeing-Unternehmen im Hotel bietet Touren zu stolzen Preisen an, für die man zu Recht einiges erwarten darf. Meint man. Der Führer sagt, die Tour wird in einer staatlichen Stelle zur Information über türkische Teppichkunst bei einem Glas Tee beendet. Es stellt sich dann heraus, daß man wieder Onkels Teppichladen anfährt, den man gestern schon gesehen hat...

Merke: Gut nachrechnen, was eine Stunde organisiertes Sightseeing kostet, wenn man die Zeit für Onkels Teppichladen abrechnet.

5. „Führer“ Murat spricht perfekt Deutsch. Er kommt wie vom Himmel geschickt. Ohne seine Hilfe hätte man kaum ein bestimmtes verzwicktes Problem zu lösen gewußt. Gern honoriert man seine Dienste großzügig und trinkt noch einen Tee miteinander. Am nächsten Morgen reißt einen das Telefon aus dem Hotelbett: Murat steht an der Rezeption. Es sei etwas ganz Furchtbares passiert. Der jüngere Bruder sei bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, Murat müsse sofort zur Beerdigung ins tiefste Anatolien, man möge doch bitte bitte das Fahrgeld...

Merke: Guter Rat kann u.U. sehr, sehr teuer werden.

6. Mit den jungen Straßenkatzen hat man etwas zu verliebt geschmust, die Kratzwunden bluten. Zeit für einen Besuch bei einer der staatlichen Impfstellen gegen Tollwut, die Tag und Nacht von einem Arzt besetzt sind. Das Hospital ist in schlimmeren baulichen Zustand als ein Abbruchhaus. Hinter einer Tür mit einem Plakat, auf dem eine zerbrochene Zigarette abgebildet ist, sitzt der Arzt und qualmt mit seinen Freunden die Luft blau. So sieht man nicht so genau, wie der Putz von den schimmligen Wänden bröckelt. Außerdem verdeckt der Qualm den strengen Geruch von der Toilette im oberen Stockwerk. Man wartet auf das Medikament zum Impfen aus der Apotheke. Und plötzlich holt der Arzt eine große Tasche heraus, in der er seine Kaval- Flöten aufbewahrt, und gibt ein Folk-Konzert.

Merke: Bei Bißwunden zum Hospital gleich gegenüber der Sultan-Achmet-Haltestelle fahren, mit etwas Glück hat der musikbegeisterte Arzt wieder Dienst.

Luisa Umlauf

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Revised: 7.3.2001
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