
Muammer
und Arzu , von Walter Hebling
Muammer und Arzu
Ich erzähle euch
die Geschichte des Gärtnerehepaares, welches die Treibhäuser um unsere
Wohnung herum bewirtschaftet.
Muammer (der
Langlebige) und Arzu ( der Wunsch) sind vor 19 Jahren aus einem Bergdorf nach
Gazipasa gekommen. Eine Arztfamilie stellte sie als Gärtner ein. Die beiden
besassen ein Metallbett , eine Pfanne und ein wenig Geschirr, verpackt in
einer Kartonschachtel. Gemeinsam bewältigten sie die harte Arbeit in den Gärten
. Wohnrecht hatten sie in kellerähnlichen Räumen unseres Hauses.
Nach zwei Jahren
wurde Emel (die lang Ersehnte) geboren. Vor etwa 10 Jahren konnte Muammer ein
kleines Stück Land kaufen. Darauf entstand ein einfaches Haus, in welchem die
Familie heute noch wohnt. Vor knapp zwei Jahren kam (etwas überraschend)
Emre, ein Junge zur Welt (Die Bedeutung dieses Namens kenne ich leider nicht.
Ihr merkt aber, dass ich von türkischen Namen und deren Bedeutung fasziniert
bin.) Die inzwischen 17-jährige Emel betreut den kleinen Emre, kocht und
schaut im Haus, während die Mutter weiterhin mit Muammer Feldarbeit
verrichtet.
Beide sind in der
Gemeinde hochgeachtet und respektiert. Ihr Leben führen sie mehr als
bescheiden. Gerade dies ermöglicht ihnen aber auch die Verwirklichung
konkreter Pläne. Vor einem Jahr konnte Muammer auf der andern Seite von
Gazipasa einige Dönüm Land kaufen. Nachdem er alles entsteint und planiert
hat, bat er die Bank um einen Kredit von 2000 Mark. Dieses Geld fehlte ihm
noch, um sein erstes eigenes Gewächshaus zu bauen. Den Kredit hat er
inzwischen erhalten. Jemand, der 19 Jahre eine so harte Arbeit beim selben
Arbeitgeber verrichtet ist kreditwürdig.
Nun stellt ER
einen Gärtner an. Vom Erlös der Sera geht 1/5 an den Gärtner, der Rest an
den Besitzer. Gehen Muammers Pläne auf, wird er noch etwa 6 Jahre
weiterarbeiten und in dieser Zeit zwei weitere Gewächshäuser errichten. Dann
hätte er für sich und seine Familie ausgesorgt. Ich zweifle nicht daran,
dass ihm dies gelingen wird.
Die besten Pide, welche wir jemals
gegessen haben, hat uns übrigens Emel zubereitet, nach einem Rezept ihrer
Mutter, welche heute nicht mehr kocht... Die Mutter ihrerseits hat dieses
Rezept von ihrer Mutter und diese lebt noch in Ermenek.
Walter
Hebling - Türkei
Club - für Freunde dieses Landes
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Revised: 30.12.2000
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