
Ich war
der Mittelpunkt , von Ayisigi
Immer dachte ich,
ich wäre der Mittelpunkt meiner Familie. Alles drehte sich um mich, alle kümmerten
sich um mich. Wenn es mir schlecht ging, waren alle bereit mir zu helfen- das
Wort "Nein" existierte für mich nicht. Egal was ich wollte, ausser
einige Ausnahmen wurde sofort erledigt.
ich liebte es....Ich liebte es so verwöhnt zu werden. Mir kam alles so
schmeichelhaft vor, nur wusste ich diese Liebe nicht zu schätzen. Im
nachhinein kann ich sagen, dass ich undankbar war; gegenüber allen in meinem
Leben. Wenn etwas schief lief oder wenn es mir einfach nur
schlecht ging aus irgendeinem Grund, fand ich die Schuld nie bei mir!
Alle waren Schuld, nur ich nicht....
Ich kann gar nicht beschreiben, wie liebevoll meine Eltern zu mir sind. Sie
sind sehr tolerante und
verständnisvolle Eltern, aber mir kommt vor ich schätze es nicht. Ich habe
zwei ältere Geschwister; beide sind 10 Jahre älter als ich- sie waren beide
meine Stütze. Sie können sich vorstellen, dass ich immer wie ein Einzelkind
aufgewachsen bin. Ich war diejenige, die immer die ganze Liebe von der
Familie bekam...Ich musste mit niemanden teilen...nichts! Und ich kann es bis
heute nicht..Ich möchte immer alles besitzen. Wenn es mir gut geht, müssen
alle fröhlich sein; wenn ich verärgert bin muss ich meine Wut rauslassen können.
Jeder muss immer bereit für mich sein. Und wen derjenige mich sozusagen
"im Stich lässt" weil er keine Zeit für mich findet, bin ich
zutiefst enttäuscht. Ich akzeptierte nicht, dass man mich vielleicht nicht
leiden kann. Oder vielleicht muss man gar nicht so ins Extreme gehen; ich
konnte nicht verstehen, wenn man mir ein Treffen absagte oder sein Versprechen
nicht hielt. Mir kam vor, dass es immer nur mir passierte...
Immer war ich diejenige, die bei den Freundinnen anrief. ich musste immer
alles wissen über sie, und ich wollte so viel unternehmen..und ich belästigte
sie schon regelrecht...aber mir kam es nie so vor. Ich liebte es mich um Leute
zu kümmern, und mit ihnen die Probleme teilen...nur wollte ich immer dasselbe
zurück... Mein Motto war "wie du mir, so ich dir.." Ich kannte
keine Grenze zwischen Freundschaften; ich engte die Leute ein. Ich wollte sie
"besitzen". Das waren "meine" Eltern, meine Geschwister,
meine Freunde...So machte ich mir das Leben zur Hölle. ich war nie
nachtragend, das war vielleicht auch mein Fehler. Manchmal ist es nicht
richtig über ein Fehler
hinweg zu sehen; aber ich sagte nie öffentlich wenn mich etwas störte, weil
ich selber nie Kritik an mir leiden konnte!!! In meinem Leben gab es nur Höhen
und Tiefen; ich kannte keinen Mittelweg.
Mir wurde meine schlechte Eigenschaft erst bewusst, als ich mich von meinem
Freund trennen musste. Nicht nur er war Schuld, sondern ich hatte auch einen
Großteil der Schuld zu tragen.
Unsere Beziehung hielt 3 Jahre; als sie anfing war ich 15. Vielleicht zu jung?
Ich weiß es nicht..
Ausser das ich so jung war und schon so eine lange Beziehung hatte; hatte
diese Liebesgeschichte noch etwas Interessantes an sich...es war eine
Fernbeziehung!
Und ich kann schwören, ich liebte keinen anderen ausser ihn in diesen 3
Jahren. Ich war ihm treu und ich bin mir sicher, er auch. In den 3 Jahren
sahen wir uns genau 4 Mal...Wie das ganze funktinierte ist nicht so
wichtig..warum sie nicht hielt ist der große Punkt, auf den ich hinaus will.
Die größte Schuld trage ich..und ich bin auch diejenige, die Schluß machte.
Es war nicht so leicht, meine Fehler einzusehen und sie mir selbst zu
gestehen... Aber nun weiß ich es..und ich gebe es offen und ehrlich zu. Auch
ihn habe ich eingeengt, er war ja "mein" Freund, mein Besitz!
Obwohl er so fern war hatte ich es geschafft ihn einzuengen. Ich wollte, dass
er sich immer um mich
kümmerte, immer sich bei mir meldete egal was er machte. Wenn er sich nicht
meldete, machte ich alles, bis er sich melden musste. Eigentlich war das
Problem nicht die Eifersucht; sondern dass jeden tag jemand mich unterhielt;
mir sagte wie schön ich bin und mir sagte, dass er mich
liebte. Ich wollte bewundert werden. Jetzt erst sehe ich ein, wie dumm ich
gewesen bin!
ich habe nicht "ihn" geliebt sondern das ganze rundherum..das schöne
Gefühl begehert zu werden.
Ich machte schon wieder den gleichen Fehler, und ich mache ihn wieder und
immer wieder...
Bis ich auf einmal Schluss machte...irgendwas war schief gelaufen..jetzt weiss
ich es...
Ich war die Eingebildete Egoistische Selbstsüchtige Arrogante Beziehungsunfähige
in dieser Beziehung. Ich war diejenige, die eigentlich nicht wusste, was sie
wollte.
Ich war die jenige, die eigentlich jeden unglücklich machte.
Die Welt dreht sich eigentlich nicht um mich!!!!
Jetzt erst kapiere ich das Leben..früher glaubte ich den Sinn des Lebens zu
kennen. Eigentlich sind wir alle einsam. Jeder von uns ist auf sich selbst
eingestellt. Von unseren Entscheidungen
werden wir auf Rechenschaft gezogen, nicht unsere Eltern, Partner oder
Freunde.
Nicht alle meinen es gut mit uns..wir dürfen nicht immer von uns auf andere
schliessen.
Nicht jeder kann unserer Meinung sein; und niemand wird seine Meinung ändern
nur weil wir die bessere Argumentationsweise haben. ich kann den gegenüber
vielleicht mit meiner Artikulation übertreffen aber nur weil der gegenüber
schweigt, heisst das noch lange nicht, dass er so denkt, wie ich.
Ich kann noch so reich sein, aber das bedeutet noch lange nicht dass ich
gleichzeitig glücklich bin.
Wenn wir wütend sind, sollten wir es bleiben lassen Entscheidungne zu
treffen; denn egal was wir machen wir bereuen es am Schluss.
das und vieles mehr habe ich eingesehen..und ich gestehe nochmals: ich habe
viele Fehler
gemacht...bewusst oder unbewusst. aber ich bereue sie und ich würde liebend
gern von den Menschen, die ich gekränkt habe um Verzeihung bitten. Besonders
von meinem Schatz, der vielleicht nicht mehr mein Schatz sein möchte... Ich würde
gerne ihn um Verzeihung bitten, weil ich seine Träume geraubt habe, seine
Hoffnungen seine Pläne und dass ich seiner großen
Liebe nicht würdig gewesen bin.
Ich bitte ihn um Verzeihung weil ich ihn nicht verstehen konnte....denn ich
dachte nur an
mich..allein nur an mich.
Denn ich war ja der Mittelpunkt.
Es drehte sich alles um mich.
Quatsch..nichts aber auf rein gar nichts sollte man sich einbilden...
Vergleicht mich und das Universum...
Was für eine Stellung habe ich..?
Wer hat das Recht, sich auf irgendeine Eigenschaft, etwas einzubilden.
Denkt doch mal nach wie glücklich man sein könnte ohne diesen Stolz...
Ohne diese Selbstsucht..
Wir vernichten uns selbst damit...wir sind hier nicht allein auf der Welt...
Seid doch glücklich!
Wer weiß vielleicht sind wir schon morgen nicht mehr da..vielleicht in einer
Stunde,
einer Minute oder gar in diesem Moment...
findet unser Leben ein Ende..
und was bleibt uns über...?
Unser Stolz?
Schönheit?
Wissen?
Geld?
Freunde?
Selbstsucht?
was von all den bleibt über?
Ist die Zeit zur Änderung und zur Selbsterkenntnis
nicht gekommen?
Wie lange möchte sie noch warten...?
Oder möchten sie das alles was ich durchgemacht habe
auch erleben?
Rennen sie nicht weg vom Glück...!
Wenn sie unglücklich sind...suchen sie die Fehler ja nie bei anderen...
Die Schuld liegt viel öfter bei ihnen als sich selber zugestehen...
Seien sie erlich mit sich selbst..
Sie kommen nur einmal auf die Welt...
Den heutigen Tag wird es nie wieder geben...!
Nie wieder...!!
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Aysen Doymaz ©2000
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Revised: 6.2.2002
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