Die Türkische Frau in der Produktion, in leitenden Positionen und in der Kunst - Emel Dogramaci Die Rechte der Frau als Menschenrechte sind nach langem, hartem Kampf heute weltweit anerkannt. Dieser Kampf hat in jedem Land naturgemäß andere Dimensionen.
Die türkische Frau besitzt heute praktisch alle ökonomischen, politischen und sozialen Rechte, und zwar aufgrund von Gesetzen. Man muß sich aber fragen, ob die 49,33% Frauen (Anteil an der Bevölkerung nach der Zählung von 1990) von ihren Rechten auch Gebrauch machen. Dabei ergeben sich zwischen den Frauen auf dem Lande und in der Stadt gewisse Unterschiede. Die Stadtfrau hat weitgehend die ökonomische Unabhängikeit erreicht. Dasselbe kann man von der Landfrau schwerlich sagen. Sie ist in dieser Hinsicht stärker vom Mann abhängig. Soziologische Untersuchungen, die in den Städten angestellt wurden, beschäftigen sich mit den wichtigen Fragen, die sich aus der Rolle der Türkischen Frau in der heutigen Gesellschaft ergeben. Die meisten Stadtfrauen, und da besonders die jüngere Generation, sehen sich als mit dem Mann auf gleicher Stufe stehend. Die Türkische Frau in der Produktion Daß die türkische Frau außerhalb des Hauses am Aufbau der Gesellschaft teilnimmt, ist ein Ergebnis der Reformen Atatürks. Aufgrund der Chancengleichheit in der Erziehung haben sich die Frauen erfolgreich in den verschiedensten Berufen beweisen können. Die türkische Frau hat am sozialen Leben anfangs vor allem als Lehrerin teilgenommen. Dem folgten andere Berufe. Heute tritt die Türkin als Wählerin und Steuerzahlerin in Erscheinung, als Benutzerin von Verkehrsmitteln und als Elternteil eines Schulkindes, vor Gericht als Klägerin, Beklagte und Zeugin, als Verbraucherin aller Arten von Dienstleistungen und aktiv in den verschiedensten gesellschaftlichen Vereinigungen. Nach dem Ergebnis der letzten Volkszählung sind 44,95% aller Frauen über 12 Jahre erwerbstätig, d.h., etwa die Hälfte der Frauen der Türkei ist an der Produktionskraft des Landes beteiligt. Zwar ist dieser Prozentsatz noch zu gering, doch wird mit der Erhöhung des Ausbildungsniveaus der Anteil der Frauen im Berufsleben zunehmen. Andererseits sind unter den nicht berufstätigen Frauen diverse Hausfrauen, die, obwohl sie eine Ausbildung haben, aus verschiedenen Gründen ihren Beruf nicht ausüben. Tatsache ist auch, daß mit der sozio-ökonomischen Entwicklung sich die Berufe der Frauen breiter fächern. Die Gliederung nach Berufsgruppen sieht für die heute türkische Frau so aus:
Die an der Produktion teilnehmenden Frauen arbeiten zu einem großen Prozentsatz in der Land- und Forstwirtschaft und in der Viehhaltung. Aber mit fortschreitender Industrialisierung der Türkei wächst auch der Anteil der Frauen, die außerhalb der Landwirtschaft beschäftigt sind. Die Stadtfrauen, die ein höheres Ausbildungsniveau als die Landfrauen haben, beteiligen sich im Laufe der Zeit in immer größerem Maße an der Produktion. Als ein Beispiel sei hier angeführt, daß 1970 2,6% der Frauen als Wissenschaftlerinnen und Technikerinnen arbeiteten, 1985 aber 4,9%. Und als leitendes Verwaltungspersonal waren es 1970 1,42%, 1985 jedoch schon 3,28%. Da die Frauen auf dem Lande meistens nur eine Grundschule bzw. Mittelschule besucht haben und in den seltensten Fällen einen Beruf erlernen, kann man diese Frauen am besten fördern, indem man bei ihren Aufgaben in der Landwirtschaft und zu Hause und bei der Erstellung von Kunsthandwerk ansetzt. Ein schönes Beispiel dafür ist, daß seit 1986 bei den 35.061 Volksbildungskursen 80,78% der Teilnehmer Frauen waren. Die seit 1950 in der Türkei anhaltende Binnenwanderung hatte, ebenso wie die etwas später einsetzende Arbeitsemigration, Auswirkungen auf das Berufsleben der Frauen. Bei den Migrantinnen beobachtet man eine Erhöhung des Ausbildungsniveaus und damit verbundenen den Wunsch, durch Berufstätigkeit zum Familieneinkommen beizutragen. Seit 1960 gingen auf dem offiziellen Weg etwa 2 Mio. Arbeitskräfte ins Ausland. Derjenige Teil der Arbeiter, der mit Frau und Kind seit 1980 in die Türkei zurückgekehrt ist, erweist sich (nach der Absolvierung von Anpassungskursen) durch die im Ausland erworbenen Fähigkeiten, Sprachkenntnisse und die Lebensauffassung, besonders im Tourismus- und Dienstleistungssektor, als nützlich.
Die Türkische Frau in der Kunst An 20 Universitäten (von insgesamt 29) wurden im Studienjahr 1989/1990 in den verschiedensten Kunstrichtungen Ausbildungsmöglichkeiten angeboten, wobei 53,75% der Studierenden weiblich waren. Als Studiengänge kamen in Frage: Malerei, Bildhauerei, Graphik, Schauspiel und Film, Musik, traditionelles türkisches Handwerk und angewandte Künste. Insgesamt gibt es in der Türkei für weibliche und männliche Studenten gleichermaßen folgende Ausbildungsstätten im künstlerischen Bereich: 3 staatliche Konservatorien, 5 Fakultäten, 15 Abteilungen der Schönen Künste, 2 Ausbildungsabteilungen für weibliches Handwerk, 1 Abteilung für gemischte künstlerische Ausbildung, 1 Abteilung für Musik. In der künstlerischen Ausbildung an den Hochschulen sind 41,41% der Lehrkräfte weiblich.
Außerdem sind die Bildhauerinnen Lezzan Bengisu, Neriman Faruhi, Füsun Onat, die Malerinnen Hale Asaf, Sühendan Firat, Timur Alagök, die Dekorateurinnen Filiz Balkir, Bedia Bektas, die Keramikerinnen Jale Yilmabasar, Füreyya Kanal, Müfide Çalik, Alev Ebuzziya, Hamiye Çolakoglu, die Graphikerinnen wie etwa Mürside Içmeli als Frauen zu nennen, die der türkischen Kunst mit Erfolg gedient haben und dienen. Daneben hat auch der Türkische Film erfolgreiche Schauspielerinnen aufzuweisen, die ebenfalls nicht bloß im Inland, sondern auch im Ausland bekannt wurden, z.B. Hülya Koçyigit und Fatma Girik. Wie man sieht, gibt es in allen Kunstrichtungen eine Reihe türkischer Frauen, die wesentliche Beiträge leisten. Nicht zu vergessen die Frauen, die, vor allem in ländlichen Gebieten, im Kunsthandwerk verschiedener Art, wie Häkeln, Stricken, Zuschneiden und Nähen, Teppichknüpfen und dergl., die Anstrengung ihrer Hände und das Licht ihrer Augen opfern und in dieser Weise schöpferisch tätig sind. Man kann sagen, daß die türkische Frau, ganz anders als es dem im Westen verbreiteten Bild entspricht - durch Gesetze und internationale Abkommen geschützt - in einem modernen Umfeld auf jedem Gebiet akzeptiert wird. |
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