
Annäherung
an die Türkei in vier Teilen, von Walter Helbling
Walter
Helbling, Im Isengrind 9/25, 8046 Zürich, Tel/Fax: 01/372 28 14,
e-mail: whelbling@swissonline.chI-Annäherung an die Türkei in vier Teilen
(Türkei per Zufall)
Es war 1986. Erneut
planten meine Frau und ich, unsere Ferien in Kreta zu verbringen. Ein befreundeter
Reisebürobesitzer machte uns auf ein last-minute – Angebot nach Antalya aufmerksam. 4
Tage vor Abflug erstanden wir uns Reisehandbücher und Stadardwörterbücher in türkisch,
um uns erstmals mit diesem faszinierenden Land, von welchem wir eigentlich gar nichts
wussten, vertraut zu machen.
Wir gelangten mit einer
Gruppe von ca. 20 Schweizern nach Antalya, wo wir etwas ausserhalb der Stadt ein soeben
fertiggestelltes Hotel bezogen. Vom Hotel führte eine Felsentreppe direkt ans Meer
herunter, wo sich auch Türkenfamilien der umliegenden Häuser aufhielten. An diesem
Strand erlebten wir sie erstmals: Die Neugier auf Fremdes und die ehrlich gemeinte
Gastfreundschaft von Leuten aus einfachsten Verhältnissen.
Nach zwei Tagen des
Beobachtens aus sicherer Distanz, des Anlachens der Kinder, schenkten wir einem Mädchen
einen Apfel. Kurze Zeit später kam es wieder zu uns und gab uns mit Händen und Füssen
zu verstehen, dass wir Tee trinken kommen sollten und zwar sofort. Wir radebrechten von
duschen und umziehen und wir würden gerne kommen, auch wir waren natürlich neugierig.
Die ganze Familie brach
sofort auf. Ein Kind wartete vor dem Hotel und führte uns zum Elternhaus. Die Familie,
welche uns dort erwartete, erkannten wir kaum mehr. Die Kinder sauber herausgeputzt in den
schönsten Kleidern, die Mutter und Grossmutter, welche sich ausschliesslich meiner Frau
zuwandten und uns in der einfachen, aber sehr sauberen Stube Platz anboten. Nachbarn
stiessen hinzu und nach etwa einer halben Stunde traf auch das Oberhaupt der Familie ein.
Er versuchte nun sogleich mit mir ins Gespräch zu kommen.
Es ergab sich eine
Unterhaltung in Form von einzelnen Wörtern, herausgelesen aus dem Wörterbuch, vielen
Missverständnissen, Gelächter. Dazu servierte uns die Mutter Tee und die Kinder boten
uns Süssigkeiten an. Diese Freude der Familie, dieser Stolz des Vaters, diese 2 Stunden
in einer türkischen Familie gleich zu Ferienbeginn, sie machten uns neugierig und
zugleich mutig genug, dieses Land und dessen Einwohner ausserhalb der schützenden
Hotelanlagen kennenlernen zu wollen.
Denn zugleich erlebten
wir im Hotel etwas eher Erschreckendes: Der Tourismus, welcher bestimmt, wie der Türke
oder die Türkei zu sein hat. Dazu eine kleine Anekdote: Am ersten Abend gabs
hervorragende Lammkoteletts mit Reis, Gemüse und überschwänglichem Dessert zum
Abendessen. Am folgenden Abend wurden uns hervorragende Lamm-Spiesse mit Zutaten serviert.
Zweimal Lammfleisch hintereinander löste in unserer Reisegruppe grossen Protest aus.
Ausser uns beiden beschlossen alle, abends auswärts zu essen. Die Kellner, der Koch und
der Besitzer verstanden die Welt nicht mehr. Sie hatten ihre ersten Feriengäste
verwöhnen wollen und nun sowas!!! Die restlichen Ferienabende verbrachten wir alleine auf
der Felsterrasse, mit Blick hinunter aufs Meer, aufmerksam bedient, verwöhnt mit
vierstöckigen Fruchtdesserts, garniert mit ausgehöhlten Kürbissen und Kerzen.
Traumhaft! Zwei Tage später war die Schweizergruppe von Durchfall geplagt....... Irgendwo
muss das Essen nicht so perfekt gewesen sein............
Wir zogen nach einer
Woche weiter. Alle Türken rieten uns, nach Kemer, nach Bodrum, nach Izmir zu gehen, dort
sei was los, gäbe es Luxushotels und viele Touristen. Die gutgemeinten Ratschläge
bewogen uns, den Weg nach Osten einzuschlagen. Über Alanya, damals ein kleines Nest mit
vielleicht 4000 Einwohnern und ganz wenigen Hotels, gelangten wir nach einer, für uns
abenteuerlichen Fahrt, nach Anamur. Dieser Ort liegt 250 km östlich von Antalya. Du
findest ihn auf der Karte genau vis à vis Zypern.
II-Annäherung an die Türkei in vier
Teilen (Anamur)
Eigentlich kannten wir
Anamur nicht. Wir hatten, geprägt vielleicht von der Winzigkeit der Schweiz, in Alanya
ein Billet nach Mersin gelöst. 45 km nach Alanya begann sich die Strasse, an den Hängen
des Taurus emporzuschlängeln. Links die steilen bewaldeten Hänge, rechts konnte man
direkt ins türkisblaue Meer hinunterschauen. Zweimal innerhalb von zwei Stunden führte
uns die Reise direkt ans Meeresufer, einige hundert Meter Strandfahrt und dann wieder rauf
in die Berge. Eine Kurve löste die andere ab und nach dreieinhalb Stunden Schüttelfahrt
gab mir meine Gemahlin unmissverständlich zu verstehen, dass die Fahrt für sie hier zu
Ende sei. Wir stiegen also aus und nachdem sie sich am Strassenrand kräftig übergeben
hatte, schauten wir uns um, wo wir gelandet waren.
Der Ort hiess Anamur,
eine türkische Stadt mit damals etwa 25 000 Einwohnern, etwa 4 Kilometer vom Meer
entfernt gelegen. Ein Taxi führte uns weg von der Stadt ans Meer.Die Pension von Ismet
und Hülya, welche wir schliesslich wählten, besass damals drei Zimmer. Ein Flachbau
inmitten eines herrlichen Obstgartens. Bezug des Zimmers in Begleitung des Besitzers,
welcher uns den gefüllten Kühlschrank vor dem Haus zeigte, in welchem wir uns bedienen
konnten. Auch hier wieder das Vorstellen der gesamten Familie, bis hin zur blinden
Grossmutter, welche nachmittags und abends stundenlang im Schneidersitz auf der Terrasse
sass.
Ein Gang zum Strand liess
unsere kühnsten Träume wahr werden: 10 km feinster Sandstrand, aber keine Touristen.
Östlich, westlich und im Norden erhob sich das gewaltige Taurusgebirge und nach Süden
sah man nichts als Meer. Abends kamen die Leute aus der Stadt mit Traktoren oder Lastwagen
und flanierten dem Strand entlang. Hauptanziehungspunkt aber war die beleuchtete Brücke,
auf welcher ein Riesengedränge herrschte. Man spazierte raus und zurück und raus und
zurück... bis dann plötzlich das Licht für etwa eine Minute ausfiel, nach 15 Minuten
wieder ausging, nach einer Minute wieder anging..... Man ist sich wohl etwas näher als
üblich gekommen, in dieser Dunkelheit.........
Zweieinhalb Wochen
wohnten wir in der Metin-Pansyon. „Weshalb zieht ihr nicht weiter?“ fragten uns die
Einheimischen. „Geht doch nach Alanya, nach Kemer, nach Izmir“. „Uns gefällt es
hier sehr gut, wir haben Alanya gesehen, Antalya erlebt, hier ist es schöner.“ Dieses
ehrlich gemeinte Kompliment erfüllte die Leute mit Stolz.
Was war es denn, dieses
„besser gefallen“? Sicher das Klima, das warme, saubere Meer. Im Zentrum standen aber
plötzlich die Leute, ihr Tagesablauf, ihre Traditionen. Morgens in den Teegarten zu gehen
und von einem Nebentisch an zuzuschauen, wie sich Gruppen von Männern treffen und für
Stunden Gesprächsstoffe haben. Wie sie scheinbar nichts tun, für unsere Begriffe
faulenzen und Tee trinken. Wie sie aber doch plötzlich am richtigen Ort sind, wenn es
darum geht, ein Fischerboot ans Trockene zu ziehen, wozu es die Hilfe aller braucht. Die
Ohren zu spitzen und langsam zu verstehen, dass jede Unterhaltung gleich beginnt:“
Hallo. Wie geht es dir. Wie geht es deiner Frau, deinen Kindern? Wie geht es deinem Vater,
deinem Onkel?“ Und stösst jemand Neuer dazu, wird er jeden Einzelnen der Runde ebenso
befragen. Ein Höflichkeitsritual, welches wir so nicht mehr kennen.
Natürlich beeindruckte
uns auch das Land, all die Zeugen der Antike. Die riesige Burg im Osten, die Mamure
Kalesi, die alte römische Stadt für 20 000 Einwohner im Westen, das Anemurium. Der
süssliche Duft der Föhrenwälder, die enorme Hitze im Sommer, welche einen mittags zum
Ruhen zwingt. Aber immer wieder waren es die Menschen, ihre Gastfreundschaft, ihre
Grosszügigkeit, welche uns sehr verlegen machten. Wir hatten wenig zurückzugeben und
Geldgeschenke sind verpönt, geradezu eine Beleidigung. Fotos konnten wir machen und
verschenken, das war das Einzige. Damit konnten wir sehr viel Freude bereiten. Damit
fühlte sich jedoch der Beschenkte wieder in der Schuld und bestand auf Einladung zum
Abendessen etc. Ein Teufelskreis..........
Beeindruckt kehrten wir
nach 4 Wochen Ferien wieder in die Schweiz zurück. Während Wochen fiel es uns schwer,
wieder Tritt zu fassen. Zu viele Erinnerungen trugen wir noch mit uns herum und immer
wieder fragten wir uns auch: “Wie geht es eigentlich den Türken in der Schweiz? Wie
werden sie von uns behandelt?“ Der Unterschied bezüglich Gastfreundschaft könnte wohl
nicht grösser sein.
Uns war klar:“ Wir
werden wieder in die Türkei zurückkehren“.
III-Annäherung an die Türkei in 4
Teilen (Türkei in der Schweiz)
Die folgenden Jahre
arbeiteten wir ohne Ferien durch. Immer wieder betrachteten wir die Fotos aus unserem
Album. Die Türkei war zu einem Bestandteil in unserem Leben geworden. So begannen wir
1994 unseren nächsten Urlaub zu planen. Ein Brief, welchen ich an Metin Pansyon verfasst
hatte, musste korrigiert werden. In unserem Freibad hielt ich erfolgreich Ausschau nach
türkischen Familien. Oft waren es Kurden, was zwar interessante Diskussionen, manchmal
auch Meinungsverschiedenheiten ergab. Dann wieder hatte ich Glück, traf Türken, unter
ihnen auch meinen heute besten Freund Muzaffer mit seiner Familie. Klar, dass die ersten
Kontaktversuche jeweils durch uns erfolgten. Kam jedoch ein Gespräch in Gange, war die
Türkei wieder präsent, die Gastfreundschaft, die Leute und ihre Ehrlichkeit.
In der Schweiz lernten
wir auch die Chartergesellschaft Onur Air kennen. Die Art und Weise, wie dies geschah ist
eine eigene türkische Geschichte: Meine Frau und ich genossen ein Abendessen in einem
Restaurant. An einem andern Tisch sassen 6 Herren und unterhielten sich angeregt. Nachdem
wir erkannt hatten, dass es sich um Türken handeln musste, beauftragte ich den Kellner,
die Herren zu Kaffee etc. einzuladen. Etwas unwirsch und verständnislos drehten sich
sechs Köpfe in unsere Richtung. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, begab
ich mich an den Tisch, erzählte von unseren Erlebnissen in der Türkei. Ich erklärte,
mit dieser Einladung möchte ich mich als Schweizer für die Gastfreundschaft bedanken,
welche uns in der Türkei entgegengebracht worden sei. Die Herren bedankten sich. Wenig
später kam jemand an unseren Tisch: Hören Sie, wir alle leben seit mehreren Jahren in
Europa, noch nie sind wir jedoch eingeladen worden. Wir sind die Europadirektoren von Onur
Air und haben jetzt beschlossen, Ihnen für Ihren nächsten Urlaub zwei Freibillette
Zürich-Istanbul zu schenken.“ Der Mann überreichte uns den Gutschein und da sassen wir
nun, mit unserer Gastfreundschaft...........
Das türkische Netz
lernst du nicht einfach in der Türkei kennen. In jeder grösseren Stadt ist in den
letzten 10 Jahren eine gute türkische Infrastruktur entstanden. Lebensmittelgeschäfte,
Restaurants, Vergnügungslokale. Unser Stammlokal war das Restaurant Istanbul in St.
Gallen. Du betrittst das Lokal und weg ist die Schweiz. Im vorderen Teil des Lokals wird
gespielt, fiebert man mit den Fussballteams oder läuft türkische Musik. Für unsere
Ohren im ersten Moment alles etwas laut. Im hinteren Teil gedeckte Tische und die ganze
Herrlichkeit der türkischen Küche. Spezialitäten aus allen Landesgegenden der Türkei
können gekostet werden und wies so ist: Nachdem man sich übersatt gegessen hat, kommt
der Besitzer, bringt einen Früchtedessert und wir schauen uns nur noch ratlos an, wer
dies eigentlich alles essen solle...... Ich würde dir raten, dich nicht nur an
Kebap-Ständen zu verpflegen. Geh mal rein in diese Lokale und lass dich überraschen.
Gespannt reisten wir im
Oktober 94 erneut in die Türkei. Ankunft in Istanbul, wo wir vom Bruder unseres
Schweizerfreundes Muzaffer abgeholt wurden, Transfer zum grossen Busbahnhof und dann mit
Bus 18 Stunden quer durch die Türkei nach Silifke an der Südküste. Eine Fahrt durch 3
völlig unterschiedliche Klimazonen, phantastisch. Busfahren liebe ich. Alle 2 Stunden ein
Stopp an modernen Raststätten. Auch wenn man immer wieder von Busunglücken hört,
müsste man diese in eine Relation setzen: Busse sind das Hauptreisemittel in der Türkei.
Ich meine, dass Reisen mit offiziellen Linienbussen sicher sind. Es sind erstens sehr
moderne Fahrzeuge, welche mit 2-3 Chauffeuren und einem Steward bestückt sind. Die
Fernreisebusse besitzen alle digitale Fahrtenschreiber, und Chauffeure, welche mehr als 6
Stunden am Steuer sitzen, riskieren ganz empfindliche Bussen. Vorsichtiger wäre ich bei
angebotenen Tagestouren. Die schweren Unglücke betreffen meistens solche Gesellschaften.
Von Silifke nach Anamur
sind es zweieinhalb Stunden Busfahrt. Wir rieben uns die Augen. Wieder die Fahrt in die
Berge, Kurven, steilabfallende Hänge, tiefblaues Meer. Aber: Jede Ebene überbaut mit
Feriensiedlungen von sogenannten Kooperativen. Was uns wohl in Anamur erwarten würde? Wir
kamen in Dunkelheit an, dem Strand entlang eine Lichterkette. Mindestens 5 Kilometer
Strandzone waren mit hässlichen Blocks überbaut. Anderntags begaben wir uns an den
Strand. Ein Trostpflaster: Nach Gesetz dürfen 150 Meter vom Meer entfernt keine Gebäude
errichtet werden. Ein Glücksfall, wenigstens in Anamur. Parks mit alten hohen Bäumen
lassen die Häuser verschwinden, wenn man am Strand ist. Dieselben Freunde wieder
gefunden, neue kennengelernt und mit dem wenigen Türkisch geduldige Gesprächspartner
kennengelernt. Die Kulisse zwar verändert, Land und Leute sind gleich geblieben.
IV-Annäherung an die
Türkei in 4 Teilen ( Auswandern)
Ab 1994 begaben wir uns
jährlich zwei bis dreimal nach Anamur. Wir wollten alles kennenlernen, den Reiz des
Neuen, Fremden, Normalität werden lassen. Wir kauften eine Wohnung, richteten uns ein
zweites Zuhause ein. Gleichzeitig begannen wir im Selbststudium intensiv türkisch zu
lernen. Es war uns klar geworden: Dieses Land und die Leute kann man nur erfassen, wenn
man deren Sprache kennt und anwenden kann. „Langenscheidts Praktisches Wörterbuch“
kann ich für Neueinsteiger nur empfehlen. Mit diesem Lehrmittel lernt man schnell
einfache Sätze verstehen und anwenden. Ehrlicherweise muss ich anfügen, dass wir nach
zwei Monaten intensivem Lernen drauf und dran waren, das Ganze wieder abzublasen.
Glücklicherweise folgte wieder ein Urlaub und ich konnte erfreut feststellen, dass ich
Gesprächen inhaltlich teilweise folgen konnte und meine einfachen Sätze verstanden
wurden.
Ab 1996 reiften
Auswanderungspläne. Wieviel Kapital ist erforderlich, um in der Türkei zu leben?
Behalten wir einen Wohnsitz in der Schweiz oder melden wir uns ab? Wie werden unsere
Familien darauf reagieren? Was werden wir tun ,wenn wir dort sind? Als was werden uns die
Türken behandeln, wenn wir fest dort wohnen werden? All diese Fragen begannen unser Leben
zu bestimmen.
Aufgefallen ist uns in
dieser Zeit etwas: In Europa erfährt man eigentlich nur schlechte, negative Nachrichten
aus der Türkei. In vielen Köpfen sieht die Türkei folgendermassen aus: Dieses Land
steht im Krieg mit den Kurden, verletzt fortlaufend die Menschenrechte, unterdrückt die
Frauen, türkische Gefängnisse sind Folterkammern, Militär und Polizei an jeder Ecke.
Allenfalls kann man da zwei Wochen supergünstig Urlaub machen, aber dann nichts wie weg!
Und in ein solches Land wollen wir auswandern?
Wir mussten uns also
erklären. Falls du jetzt auf eine Verteidigungsrede wartest, muss ich dich enttäuschen.
Nur soviel: Es ist eine Eigenschaft von uns Europäern, dass wir, egal, wo wir sind,
unsere Standards zum Mass aller Dinge erheben. Damit wirken wir nicht nur verdammt
arrogant, sondern verletzen oft auch andere Kulturen und Traditionen. Geh hin und schau
das Land selbst an, bilde dir deine Meinung auf Grund der Dinge, welche du erlebst.
Diejenigen, die diesen Weg beschritten haben, sprechen eigentlich nur positiv von diesem
unglaublich vielseitigen Land, in welchem sich übrigens ein Grossteil unserer
christlichen Geschichte abgespielt hat. Die Zeichen jener Zeit kannst du noch heute
allerorten finden.
Anfangs 1998 wars soweit.
Mit einem Fiat Ducato, darin unser ganzes Hab und Gut, verliessen wir die Schweiz und
meldeten uns in Cesme an. 24 Stunden später erreichten wir Anamur, nun als Bewohner,
nicht mehr als Touristen. Wir konnten unser Leben unseren Vorstellungen gemäss gestalten
und hatten gleichzeitig viel zu lernen: Das Ritual der gegenseitigen Besuche, welche eine
gute Bekanntschaft erforderte. War bei uns zuvor Zeit mit Geld gleichzusetzen, so schenkte
man nun jemandem Zeit, indem man zusammensass, Tee trank und damit den Grundstein für
eine mögliche private oder geschäftliche Beziehung legte.
Zeit haben bedeutete nun
auch, unsere Umgebung wirklich zu entdecken. Die Blüte der Mandelbäume im Frühjahr
steht den hochgelobten Mandelblüten auf Mallorca in nichts nach. Mit dem Motorrad oder
mit einigen wanderfreudigen Individualreisenden einsame Bergdörfer entdecken, die
Einladung zum Tee annehmen und flugs ist ein ganzer Nachmittag vorbei. Mit dem Kauf eines
Fischerbootes alle Höhen und Tiefen zu erleben, welche jeder Türke auch erlebt. Bei
allem waren wir uns bewusst, dass wir Gäste sind in diesem Land, dass wir uns
entsprechend zu verhalten haben und es uns nicht zusteht, alles nach unserem Geschmack
umzukrempeln.
Auf Internet entdeckte
ich Aysens sympathische Homepage. Wieder war sie da, die Sprache und der Mensch, wie wir
es aus der Türkei kennen. Dies war der Anlass, diese Zeilen zu schreiben. Für all
diejenigen, welche an mehr als nur einem 400 Mark-4-Sterne-Halbpensionsangebot aus der
Türkei interessiert sind.
Hoscakalin Walter
e-mail: whelbling@swissonline.ch
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Aysen Doymaz
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Revised : 07.03.2000