Folklorische Handgemachte Puppen Herstellung in der Türkei

 

Die Herstellung von Puppen, die eine ökonomische, soziale, kulturelle und rituelle Bedeutung haben, ist in engem Zusamenhang mit der türkischen Volkskultur zu sehen. Puppen, welche eine Vielfalt von Funktionen haben, aber am meisten als Spielzeug bekannt sind und benutzt werden, gab es in allen Zeiten. Bei Ausgrabungen hat man unter anderem aegyptischen, grechischen und römischen Kindergraebern Puppen aus Holz, Knochen und Elfenbein entdeckt. Auch in Anatolien gibt es Funde, die die Meinung, dass Puppen als Spielzeug verwendet wurden, bestaerken. 
Rituelle Bedeutung hatten Puppen im Schamanismus. Das Wort 'Dodu, gade' , das in manchen Orten Anatoliens noch heute verwendet wird, stammt aus diesen alten Zeiten des Schamentums. Diesem Glauben nach lebte die Seele eines sehr früh verstorbenen Maedchens in Form einer Puppe weiter. Daher wurde das Gesicht des Maedchens in einer Puppe dargestellt. Diese Püppchen wurde je nach Vermögen der  Familie angekleidet und mit Pelzen geschmückt. Diese ' kiz tangara' befestigte man in den Zelten um sich so vor Unglück zu schützen. Heute nennt man Puppen 'bebek', aber in anatolischen Dörfern werden sie auch 'gelin', 'güççe','korçak' oder 'kurçak' gennant. In der türkischen Volkskultur gibt es ganz unterschiedliche Anwendungen von Puppen. In einigen Orten, z.B. in Eskisehir, wird Frauen, die sich ein Baby wünchen, eine aus Stoff hergestellte Puppe auf den Nabel gebunden. In der Umgebung vo Tokat wird von Frauen, die sich ein Kind wünchen, ein Stoffpüppchen hergestellt und in eine kleine Wiege gelegt, die über dem Grab des Dede Mürsel schaukelt. Bis vor kurzem wurden in der Umgebung Ankaras, in dem Dorf Çankaya-Üregil von schwangeren Frauen, die sich schöne Kinder wünschten, Puppen auf dem Schoss getragen.

Auch bei Gebeten um Regen werden Stoffpuppen von zwei Kindern auf einem langen Stab vor den Regenbetern hergetragen. Dabei wird haeufig folgendes Lied gesungen:

Teknede hamur (Teig im Trog)

Tarlada Çamur (auf dem Acker Matsch)

Ver Allahim ver (Gib Allah gib)

Bir sulu yagmur (waesserigen Regen)

Die Menschen sprühen dabei etwas Wasser auf die Puppe, was die Bitte um Regen verstaerken soll.

 Auch bei Hochzeiten spielten Puppen eine Rolle. So wurde früher eine Puppe mit Blumen und farbigen Baendern geschmückt und auf dem Brautwagen befestigt. Die Puppe symbolisierte die Fruchtbarkeit, die Unschuld und den Wunsch, dass das Brautpaar möglichst in kürzester Zeit ein gesundes Kind haben möge. Auch heute ist diese Sitte noch verbreitet.

Puppen sind in der Türkei und auf der ganzen Welt Spielzeug für kleine Maedchen. In vielen Dörfern werden die 'gelin' Püppchen von kleinen Maedchen selbst hergestellt. Diese führen die Maedchen auch in ihre zukünftige Rolle als Mutter ein. In der Region Konya gibt es eine Tradition, die mit einer Zermonie in der Pubertaet das Puppenspiel beendet. Diese Zermonie heisst 'güççe dügünü', also Hochzeit des geliebten Püppchens. Und wirklich  wie zu einer Hochzeit werden die Frauen aus der ganzen Nachbarschaft eingeladen: ^Heute hat unsere güççe - Tochter Hochzeit'. An diesem Tag wird die Puppe geschmückt wie eine Braut und auf einen hohen Platz im Raum aufgestellt. Es wird gesungen und getanzt, wie bei einer Hochzeitsfeier, und danach ist das Maedchen nicht mehr Kind, sondern gillt als junges Maedchen. Sicher eine Tradition, die den Übergang vom Kind zur Frau unvergesslich machen und erleichtern möchte.

In der Türkei haben handgemachte Puppen eine lange und reiche Tradition. So fand die erste Puppen-Austellung der Welt 1936 unter Teilnahme von Kizilay, Kizilhac (Rotes Kreuz), Kizilarslan und dem Günes Verein in den Gaerten der Stadtverwaltung Taksim statt. 20 Laender waren bei der Veranstaltung vertreten. Die Herstellung handgemachter Puppen aus Watte, einem natürlichen Klebstoff und Draht, erfolgt so:

1. Der Kopfteil wird mit Stoff bespannt und die Gesichtsumrisse mit einer Nadel geformt.

2. Ganz feine Watteschichten werden mit natürlichem Klebstoff beschichtet und mit der Sorgfalt eines Bildhauers im Gesichtsteil angebracht. Nach dem Trocknen der Watte wird das Gesicht bemalt.

3. Für Haende und Füsse der Puppen werden feine Drahtstücke vorgeformt, über die mit Klebstoff  Watte gezogen wird. Die letzten Korrekturen an den Fingern werden mit Watte angebracht, so dass die Finger auch beweglich sind. Nach dem Trocken werden auch diese Teile bemalt.

4. Für die Beine der Puppen wird etwas staerkerer Draht, für die Arme etwas dünnerer Draht verwendet. Diese werden an die schon fertiggestellten Haende und Füsse angefügt und mit einem 'pelür' genannten, feinen Papier umwickelt.

5. Somit sind Kopf, Beine und Arme fertigt. Nun werden die Teile zusammengefügt. Dabei werden die natürlichen proportionen des Menschen (Verhaeltnis Körper:Kopf=7:1) beachtet. Der Oberkörper wird mit Papier unterstützt, nach dem Trocknen bemalt und anschliessend die Bekleidung hergestellt.

Die Puppen aus Derinkuyu und Sogan werden sehr bevorzugt gekauft, weil das Puppen-Handwerk dort in den Familien schon seit Jahrhunderten gepflegt und meisterhaft beherscht wird. Diese Puppen haben einen typischen Gesichtsausdruck und spiegeln die türkische Landfrau in ihrem natürlichen Aussehen wieder.

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Aysen Doymaz.
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Stand: 5.02.2002.